Analyse   Ausgangspunkt des Diploms.  Am Anfang (Anmeldung zum Diplom) standen weder Ort noch Thema fest, sollten sich aber anhand der Stadt- und Gesellschaftsstrukturanalyse herauskristallisieren (Bedarf). Die von mir durchgeführten Analysen sind aufgeteilt in Stadt-, Bevölkerungs- und Wohnungsstrukturanalysen.

 

Außenraum   siehe  Innenraum-Außenraum

 

Bahnnetz    Das Bahnsystem Tokyos ist zur Vitalstruktur der Stadt geworden.  Die Bahn hat viele Vorteile u. wird den immer höher werdenden Ansprüchen ständig angepasst: Die Fahrplangenauigkeit, die immer höheren Kapazitäten (durch immer weniger Sitzplätze, längere Züge u. höhere Fahrfrequenzen) u. die Tatsache, dass sie rückstandsfrei ist (d.h. keine Parker), macht sie zu „dem“ Verkehrsmittel in die Stadt u. in die Mega-Zentren.  Die Mehrzahl der tägl. 4 Mio. Pendler aus dem Großraum Tokyos kommen mit der Bahn, bei der die Stationen der  JR Line „Yamanote“ die wichtigste Verteiler-Rolle übernimmt.  Das Beförderungspotential ist riesig u. sie bewegt sich auf zwei verschiedenen Ebenen: die „local trains“, die an jeder Station u. selbstverständlich auch in den Mega-Zentren halten, sowie die „rapid train“, die nur in Mega-Zentren hält. Hierbei nehmen die Bahnhöfe von Shinjuku  (3.7 Mio. Fahrgäste tägl.), Ikebukuro (3.2 Mio.) u. Shibuya (2.9 Mio.) die bedeutendsten Rollen ein.  Die Yamanote-Line ist ein Bahnlinie der JR-Bahn in Tokyo, die in Form eines Ringes im Innenstadtbereich verläuft u. 29 Stationen hat. 

 

Fahrgäste pro Tag:

 

Ikebukuro                 3. 182. 022

Otsuka                           114. 676

Sugamo                         296. 671

Komagome                    100. 165

Tabata                             76. 908

Nishi-Nippori                  401. 101

Nippori                           248. 120

Uguisudani                       49. 719

Ueno                              764. 220

Okachimachi                  180. 972

Akihabara                       417. 246

Kanda                             309. 391

Tokyo                             984. 450

Shimbashi                      641. 324

Hamatsucho                  460. 780

Tamachi                         463. 951

Shinagawa                     732. 691

Osaki                                91. 212

Gotanda                         375. 890

Meguro                           348 .582

Ebisu                             298.  948

Shibuya                     2. 899. 769

Harajuku                         221. 009

Yoyogi                            156. 381

Shinjuku                    3. 677. 026

Shin-Okubo                      72. 988

Takadanobaba               940. 107

Mejiro                               87. 034

 

Bauordnung    Gesetzliche Bestimmungen für den Wohnungsbau  (Dept. of Housing, 1951)

 

1-       Die Raumhöhe muß in Schlaf- und DK-Zimmern mind. 2,30m betragen.

2-       Wegen der erhöhten Erdbebengefährdung muß ein Sicherheitsabstand zum Nachbargebäude von 1m eingehalten werden.

3-       Im Brandfall muß mind. 4 Std. Feuerschutz zum Nachbargebäude gewährleistet sein.

4-       Der Fluchtweg von allen Zimmern zum nächsten Fluchttreppenhaus darf nicht mehr als 60m betragen.

5-       Das Fluchttreppenhaus darf im Abstand von 2m keine Öffnungen enthalten.

6-       Jede Wohnung muß über zwei Fluchtwege verfügen.

7-       Die Gebäudeabschnitte müssen mit feuerfesten Wänden getrennt sein.

8-       Das DK muß  eine Mindestgröße von 7.5 qm (4 ½ Tatamis= Yojohan) haben.  (Öffentl. Whg.bau)

9-       Jede Wohnung sollte über mind. 2 Zimmer verfügen, die eine Mindestgröße von 4, bzw. 6 Tatamis haben.   (Öffentl. Whg.bau)

10-   Jeder Raum muß Stauraum für die Futons vorweisen, mind. 9% der Gesamtfläche.  (Öffentl. Whg.bau)

 

Bevölkerungsstruktur   In Tokyo sind 11.8% der Bevölkerung unter 15 J., 72.4% sind zwischen 15-64 J. und 15.8% über 65 J..  Bis 2050 wird die 65+Bevölkerung 33%, d.h. über das Doppelte betragen. 

 

Blondie   eine in Japan sehr beliebte US-amerikanische Comic.Serie, die seit 1946 in den Zeitschriften abgedruckt wird.  Die Heldin Blondie ist eine amerikanische Mittelschicht-Hausfrau, die mit ihrem Ehemann, der Angestellter ist, u. ihren beiden Kindern in einem modernen, technisierten Heim samt PKW im Vorort einer Großstadt wohnt.  Blondie weckte in der jap. Bevölkerung der Nachkriegszeit ganz konkrete Wünsche (Amerikanisierung).

 

Bodenpreise in Tokyo weltweit am Höchsten: pro qm 300.000-100.000.000 Yen (3.000-1.000.000 EUR/qm)

 

bunka jutaku   (jp) Reformwohnung der 20er und 30er Jahre.  1) traditionelles Hausmodell im jp. Stil mit westlichem Empfangszimmer und modernem Innenflur.  2) Haus, das (fast) ganz im westlichen Stil gebaut u. eingerichtet ist u. ein Wohnzimmer als Mittelpunkt hat.

 

chumon   (jp) Pufferzone od. Pufferraum zwischen Außenraum und Innenraum einer Minka in schneereichen Gebieten.  Schützte vor Wind u. Schnee.  Wurde auch „Matschraum“ genannt, weil man sich dort den Schnee abklopfte, bevor man in das Innere trat u. dadurch der Boden matschig wurde.

 

Combini   (jp) kleiner, ca. 100 qm großer convienience store, der an fast jeder Ecke japanischer Städte zu finden ist und rund um die Uhr geöffnet ist.  Führt von frischen Fertigmahlzeiten, Grundnahrungsmitteln, Getränken und Kosmetik über Einwegunterwäsche, alles was der japanische Stadtbewohner so braucht.  Außerdem gibt es Fax-, Internet und Banking-Pools. In Tokyo ist das Combini-Netz so dicht, daß -statistisch gesehen- jeder Einwohner Tokyos höchstens 5 min. vom nächsten Combini-store entfernt wohnt.  Combinis sind vermehrt an Bahnstationen, in Mega-Zentren in den Stationen als sogenannte Express-Combinis vorzufinden.  Am weitesten sind verbreitet sind in Tokyo Family Mart, 7-Eleven, Newdays, sunkus, am pm, Ministop, Community Store und Daily Yamazaki.

 

Convienience store   (engl)  siehe combini

 

danchii   (jp) Öffentlicher Wohnungsbau, in Form v. urbanen u. suburbanen Wohnprojekten u. Großwohnsiedlungen m. einem überwiegenden Teil an Mietwohnungen.  Die Wohnblöcke in den danchii sind umgeben von Grünflächen u. für die Bewohner werden Einkaufzentren, Spielplätze u. Kulturzentren eingerichtet, was sie von den gewöhnlichen städtischen Wohngebieten unterscheidet.  Mit den ersten danchii-Projekten in den 50er Jahren entstand der äußerst populär gewordene 2DK-Grundriß.

 

dango   (jp) etablierte Kartelle der Baukonzerne (the big five), die vom Bauministerium Aufträge für öffentl. Bauprojekte erhalten und deren überteuerte Angebote es ihnen ermöglicht, 1-3% der Bausummen für politische Spenden aufzuwenden.  Im Gegenzug fließt wieder Geld, Beschäftigung u. neue Aufträge.  Dies führte dazu, daß Infrastrukturprojekte, wie Strassen, Brücken, Dämme und Uferbefestigungen über das wirtschaftl. u. ökonomisch sinnvolle Maß hinaus erstellt worden sind.

 

depato   (jp) Kaufhaus, die ersten depatos entstanden in der meiji-Periode.  Sie manifestieren sich an großen Bahnhöfen (meist gehören die Kaufhäuser den Bahngesellschaften, wie Seibu, Tokyu oder Odokyu) und übernehmen durch Museen, Ausstellungen, Showrooms, Theater und Kino zunehmend eine kulturelle Rolle an und werden so zum öffentlichen Raum. 

 

Dichte   In den 23 Bezirken von Tokyo beträgt die Einwohner-Dichte 13.084 Pers./qkm (Stand2000). Shinjuku-ku befindet sich mit 14.569 Pers./qkm an 9.Stelle der 23 Bezirke.  Der Bezirk mit der höchsten Dichte ist Nakano mit 19.273 Pers./qkm. Gebaute Dichte hat fast zwangsläufig auch eine extreme Menschendichte zur Folge. Z.B.  entsteht um die Mega-Bahnhöfen von Tokyo nicht nur durch die Gebäudedichte eine Extrem-Dichte, sondern auch durch die Menschendichte u. der damit verbundenen Bewegungsdichte.

 

Distribution   (lat.) 1) Verteilung; 2) verallgemeinerte Funktion, die sich durch Erweiterung d. mathematischen Funktionsbegriffes ergibt; 3) Summe aller Umgebungen, in denen eine sprachl. Einheit vorkommt, im Gegensatz zu jenen, in denen sie nicht erscheinen kann.

 

doma   (jp) auch kamaya genannt;  traditioneller Arbeits- u. Kochraum im Minka oder Manchiya, mit einem Erdfußboden u. dadurch niedriger als der Wohnbereich (omoya).  Gekocht wurde auf dem Boden. 

 

Edo   (jp) heutiges Tokyo vor 1868.  Wurde 1603 Hauptstadt mit Beginn der Herrschaft von Tokugawa, der den Kaiserpalast von Kyoto nach Edo verlegte.  Der Palast wurde -im Gegensatz zu Kyoto- in die Mitte der Stadt gelegt.  Die Tempel wurden in Nord-Süd-Richtung gebaut, um die Stadt vor dem Bösen zu schützen (z.B. Ueno).  Die Strassen wurden nach den Bergen (Fuji, Tsukuba, Takao) ausgerichtet, die die Stadt umgaben u. damals gut von der Stadt sichtbar waren. Das am dichtesten besiedelte Gebiet mit der größten Aktivität war nicht im Zentrum, sondern am Rand der Stadt. Edo bestand aus zwei sehr unterschiedlichen Stadtgebieten: Shitamachi u. Yamanote und hatte um 1800 ca. 120000 Einwohner. Die Edo-Periode dauerte von 1600- 1867 und wurde von der Meiji-Periode abgelöst.

 

Externisierung von Wohnfunktionen   In Japan verbringen die Menschen immer weniger Zeit in ihren eigenen 4 Wänden u. immer  längere Zeit im öffentlichem Raum.  Der Grund hierfür ist nicht nur die  - für Westler - relativ langen Arbeitszeiten u. die langen Pendelfahrten zur u. von der Arbeit, sondern auch die zunehmende Externisierung von Wohnbereichen.  Die Wohnung hat in Japan keinen repräsentativen Zweck, da man sich aus Platzgründen, außer Haus trifft.   Zum Waschen und Baden benutzen die Japaner die Sentos,  oder sie benutzen die Wascheinrichtung im Büro. Die für den Kunden immer geöffneten “combinis“ lassen die Küche überflüssig werden,  da es rund um die Uhr frische Fertigmahlzeiten gibt, die man sich dort oder zu Hause in der Mikrowelle warm macht.  Die technische u. kommerzielle Infrastruktur der japanischen Städte ermöglicht eine dynamische Lebensform („Stadtnormade“).  Auch die Freizeitgestaltung geschied oft auf dem Weg zur oder von der Arbeit (Shopping, Karaoke, Essen und Trinken gehen mit Kollegen etc.).  Mit dem zunehmenden Auslagern der Wohnfunktionen, wie Essen, Baden, Waschen, Gäste einladen, sowie Freizeitbeschäftigungen in den öffentlichen Stadtraum, wird gleichzeitig das Bedürfnis nach Privatheit ausgelagert.  Aus diesem Grund bilden sich in der extremen Dichte der Mega-Zentren oft kleine Nischen (in Form von Restanrants, Kneipen, Bars, Karaoke, Love Hotels, etc.), die Privatheit, Rückzugmöglichkeiten u. Introvertiertheit anbieten.

 

Fragmentierung   in Einzelteile zerlegend, nicht zusammenliegend, bruchstückhaft, Patchwork; ein wichtiges Merkmal von Tokyo, wenn nicht „das Merkmal“.

 

Funktionstrennung   die von der ‚Liga für Lebesreform in den 20er Jahren empfohlene Funktionstrennung durch einen Innenflur veränderte die Wohnweise in Bezug auf Privatsphäre und Ausrichtung auf die Familie.  Bei der neuen Raumaufteilung waren Küche, Bad, Toilette (u. eventl. Dienstmädchenzimmer) auf der Nordseite u. die Räume der Familie auf der Südseite untergebracht.  Die traditionelle jap. Multifunktionalität der Räume sollte aufgegeben werden u. statt dessen nach westl. Vorbild jede Funktion einem bestimmten Raum zugeordnet werden. 

 

fusuma   (jp) Innenschiebetür; verschiebbare Zwischenwände, die beidseitig mit motivbemaltem Papier beklebt und lichtundurchlässig sind.  Das fest installierte Holzgitter (ramma) über dem fusuma sorgt für die notwendige Luftzirkulation im Innenraum.

 

futon   (jp) Schlafmatte aus Baumwolle, die tagsüber zusammengerollt u. im Wandschrank verstaut wird.

 

Garten, japanischer   Miniaturlandschaft Japans.  Der Außenraum ist so konzipiert, daß er mit dem Innenraum, von dem er aus betrachtet wird,  in Harmonie u. Einklang steht, d.h. mit den Sichtlinien der moon-watching-platform, Veranda, Korridor oder dem Teehaus. 

 

genkan   (jp) Eingang;  Raum mit Doppelcharakter: er ist Übergang vom Äußeren (soto) ins Innere (uchi) des Hauses.  Hinter der Türschwelle liegt zunächst eine ebenerdige Fläche Estrich, die mit Schuhen betreten wird.  Vor dem Betreten des leichterhöhten inneren Wohnbereichs (ima) werden die Schuhe ausgezogen u. auf dem Estrich abgestellt.  Der dekorierte genkan ist traditionellerweise Gästen vorbehalten, während Familienmitglieder durch einen Hintereingang in das Haus gelangen.

 

GFZ   (Abk.) Geschoßflächenzahl,  wieviel qm Geschoßfläche pro qm Grundfläche.

 

Grundstück   Hyakunin-cho 1-8,  Shinjuku-ku,  Tokyo,  Japan;  Größe: 160m x 37m,  GF: 5920 qm,  momentan sind 50% der Fläche überbaut (2956 qm),  Gebäudengrößen (GF) zwischen 32-350 qm bei durchschnittl. Höhe von 6 Stockwerken,  BGF: 17.736 qm,  GFZ: 3.0

 

Grundstück-Auswahlkriterien 

1) Ich kenne den Bezirk Shinjuku, sowie die ausgewählte Gegend gut und verfüge über genügend Informationsmaterial  (Fotos, Pläne, Literatur, Statistiken, etc.)

2) Das Grundstück liegt zentral, innerhalb der 23 Bezirke und im Yamanote-Line Distrikt. 

3)  Das Viertel ist von der Verdrängung von Nachbarschaften, bzw.  Wohnraum bedroht.

4) Das Grundstück liegt außerhalb der superdichte Zone der Mega-Zentren (1000 m Radius).

5) Das Grundstück enthält keine Tempel-, Grünanlagen oder neuen Gebäude, die erhaltenswert sind.

6) Das Grundstück hat eine Größe, die die Bildung eigener Nachbarschaften ermöglicht.

7) Die Parzelle ist für Tokyo sehr typisch  (lang & schmal)

8) Das Grundstück liegt direkt an dem Bahngleis der Yamanote-Linie  (Bewegung)

 

GRZ   (Abk.) Grundstückflächenzahl,  wieviel qm Grundfläche je qm Grundstücksfläche v. baul. Anlagen überdeckt wird.

 

Hauserwerbs-Faktoren   beim Erwerb eines Hauses / Whg. in Japan spielen 4 Faktoren eine entscheidene Rolle: 1) Bodenpreis, 2) Entfernung v. Zentrum (abh. v. Bodenpreis), 3) Größe d. Grundstücks (abh. v. Bodenpreis), 4) Qualität u. Ausstattung d. Hauses / Whg.  Dies bedeutet immer ein Kompromiß je nach budget.  Durch Rückgang der Bodenpreise in den letzten 10 Jahren gibt es jetzt jedoch mehr Flexibilität bezügl. Lage u. Größe.

 

Haushaltsgröße   Die Haushaltsgröße nimmt in Tokyo, sowie auch in Japan, konstant ab.  In Japan beträgt die durchschnittliche Haushaltsgröße 2,8 Pers., in Tokyo 2,1 Pers.  Einpersonen- u. Zweipersonenhaushalte nehmen zugunsten der Dreigenerationshaushalte stark zu.  Die 65+Bevölkerung wohnt in stark zunehmendem Maße in Einpersonen-Haushalten, da immer weniger Kinder ihre Eltern im Alter im eigenen Haushalt pflegen.

 

Haus-Typen   In Japan haben 2 Haustypen Tradition:  Der nördliche, geschlossene Typ und der südliche, offene und aufgeständerte Typ, der von unten belüftet wurde.  In der Vergangenheit brauchte man gut belüftete Räume, um mit der schwülen Hitze klar zu kommen, weshalb sich der offene Typ durchsetzte.  Die traditionellen Wohngebäude in der jap. Stadt lassen sich in 3 verschiedene Typen aufteilen:

- buke-yashiki  (einzelnes Wohnhaus der Samurai; durch die flächigen Erweiterungsmöglichkeiten auch „spread-out-house“ genannt)

- machiya  (Stadthaus der Handwerker und Ladenbesitzer, in denen gearbeitet und gewohnt wurde. Zum Teil sehr tiefe Häuser: direkt an der Straßenfront waren die Läden, hinten die Privaträume, kleine Gärten und Toiletten.

- nagaya  (kleines, meist einstöckiges Reihenhaus, in denen der Großteil der einfachen Arbeiter in der Stadt wohnten.)

 

hibachi   (jp)  kleiner, transportabler Feuerplatz, der normalerweise mittig in den Boden eingesetzt wird.  In den meisten Fällen war es eine Holz- oder Keramik Box für Kohlen. Dieser (transportable) Feuerplatz wurde genutzt, um gesellig zusammen zu sitzen und Tee zu trinken, aber auch um den Raum im Winter zu wärmen.  Die heutige Version des hibachi ist ein transportabler Tisch mit einem elektronischem Heizer, der unterhalb der Platte -nicht sichtbar- angebracht ist.

 

hoigaku   (jp) hoi = Richtung, gaku = Winkel, Ecke.  hoigaku ist ein traditionelles System für d. Standortermittlung u. Ausrichtung von Häusern in Japan, beeinflusst durch Klimabedingungen u. Religion.  „Kaso“ (Hausform u. Ausrichtung) Teilbereich des Systems, daß die 5 Elemente beinhaltet.  hoigaku zieht die Topographie nicht mit ein, im Gegensatz zu der jap. Stadtplanung, die in der Vergangenheit stark die Topographie miteinbezogen hat.  hoigaku ist sehr komplex u. schwer auf große Gebäude zu übertragen u. wird heute nicht mehr angewandt.

 

ie   (jp) traditionelle japanische Familie,  meist ist hier der 3-Generationshaushalt gemeint, der in Japan eine lange Tradition hat, seit dem 2.WK jedoch kontinuierlich abnimmt, besonders in den Großstädten.

 

Innenraum-Außenraum   der Unterschied zwischen innen und außen, bzw. die Schnittstelle zwischen Innen- und Außenraum ist ein Charakteristika in der Komposition von japanischen Wohnräumen.  Im Gegensatz zum Westen, wo die Grenze zwischen innen u. außen durch dicke Wände klar definiert wird, erfolgt in Japan der Übergang stufenweise.  Durch die Holzrahmenkonstruktion konnte man die Innen- u. Außenräume zueinander öffnen.  Mit den shoji und fusuma entstand eine stufenartige Hierarchie der Räume, d.h. es entstanden verschiedene Stufen der Trennung, je mehr Türen dazwischen waren.  In dem Innersten des Raumes /des Hauses befanden sich die Schlafräume.  Hinter diesen befinden sich freiere, offenere Räume, die mit Hilfe der shoji u. fusuma in eine Anzahl von Räumen aufgeteilt werden konnten.  Diese wiederum wurden umgeben von einem Korridor, der mit seinen Holztüren an den Außenraum grenzte und somit Schutz vor Regen u. kalten Winternächten bot.  Die Dachtraufe ging weit über diese Türen hinaus in den Garten und bildete so einen Zwischenraum, der wie eine Puffer-Zone wirkte und dem japanischen Klima angepasst war.  Manchmal erstreckte sich auch der Boden, die „Plattform“, über das Dach hinaus in den Garten, bildete eine Veranda oder „moon-watching-platform“ u. gab diesem Raum die Eigenschaften u. Merkmale von Beidem: dem Innen- sowie dem Außenraum.  Auch wenn der Innenraum visuell in den Außenraum übergeht, ist das Gebäude in erster Linie zum Schutz gegen Umwelteinflüsse (Regen, Wärme, Kälte, Wind, Nässe, etc) gebaut.  In Japan ist die Regelung der Grenzen bzw. die Schnittstelle zwichen Innen- u. Außenraum ständig voller Änderungen gewesen.  Es wurden in der Vergangenheit Japans verschiedene Methoden entwickelt, die diese Schnittstelle regelten.  Die Japaner unterscheiden außen u. innen psychologisch, was an der Tradition des „Schuhe ausziehens“ bevor man den Wohnraum betritt, deutlich wird: In modernen, westlichen Wohnungen, in denen es kein genkan mehr gibt werden zwei Probleme deutlich: Erstens die naheliegende Tatsache, daß Dreck u. Matsch in die Wohnung getragen wird.  Und Zweitens, daß Problem, das Gäste auf den Boden aschen, da sie das Gefühl haben, sich im Außenraum (wo das Aschen auf dem Boden erlaubt ist) zu befinden, da sie ihre Schuhe noch anhaben.  D. h. die (psychologischen) Merkmale für den Innenraum sind noch heute: Schuhe ausziehen und auf dem Boden sitzen. 

 

Intuition   (lat.) 1) das Unmittelbare, nicht diskursive, nicht auf Reflexion beruhende Erkennen; 2) Eingebung, ahnendes Erfassen.  Japanische Architekten beziehen die Intuition mehr in den Entwurfsprozeß mit ein, als die größtenteils sehr prinzipiengesteuerten, westlichen Architekten.

 

invisible communities   (engl.) Netzwerk-Gemeinschaften, die weltweite Größe erreichen können u. trotzdem für den Menschen unsichtbar sind.  Einige solcher invisible communities haben einen zunehmend großen Einfluß auf die urbane Struktur (z.B. Pokemon-Vorfall in Tokyo)

 

Japan   377801 qkm gr. Land in Asien, zwischen dem 24.-46. Breitengrad auf der nördl. Halbkugel.  126,7 Mio. Einw., von denen 79% in urbanen Gebieten wohnen.  47 Präfekturen.  335 Einw./qkm (Deutschl.230 Einw./qkm).  Bevölkerungswachstum 0.2%.  Dienstleistung 61%, Industrie 37%, Landwirtschaft 2%.  BSP 32030 $ (Deutschl. 25620 $).  Parlamentarische Monarchie seit 1947.  Shintoisten 39.5%, Buddisten 38.3%, Sonstige 22.2%.  Arbeitslosigkeit 4.8%.  Höchste Lebenserwartung der Welt (80 J.).  Hauptstadt u. größte Stadt Japans ist Toky-to  mit 12 Mio. Einwohnern.

 

kamaya   (jp) siehe doma

 

Kaninchenstall   (usagi-goya) „Japaner wohnen in Kaninchenställen.“ Der Begriff des Kaninchenstalls stammte aus einem vertraulichen Bericht der EG-Kommision zur Wohnsituation in Japan (1979).  Er wurde allerdings in Japan bekannt, löste eine heftige Reaktion aus u. bürgte sich im Sprachgebrauch ein.  In den 60er Jahren entsprach in Japan die durchschnittl. Wohngröße / Pers. 7qm.  Heute beträgt in Japan die durchschnittliche Wohngröße / Pers. 29qm u. unterscheidet sich nur noch geringfügig von Deutschland mit 38.4qm. 

 

Konstruktionsweise, japanische   unterschied sich bis zur Meiji-Periode grundlegend von der im Westen:  Während im Westen erst die Wände und dann das Dach gebaut wurde, waren in Japan’s Holzrahmenbauweise Boden und Decke entscheidend und nicht die Wände.  Die (flexiblen) Wände waren je nach Jahreszeit austauchbar und wurden erst nach der Fertigstellung des Daches eingesetzt. 

 

Kriterien für einen Gebäudekomplex

1-       1-2 Personen-Haushalte  Im Innenstadtbereich Tokyos wird immer mehr Wohnraum durch die hohen Bodenpreise verdrängt.  Im Widerspruch zu dieser Entwicklung besteht jedoch gerade im Innenstadtbereich ein erhöhter Bedarf an Kleinwohnungen (1-2 Pers.-Haushalte) für permanentes, sowie temp. Wohnen.  Auf diesen Bedarf möchte ich mit einem Gebäudekomplex reagieren, welcher der derzeitigen Situation Tokyos gerecht wird.

2-       Monofunktionalität-Polyfunktionalität  In den Bezirken Tokyos ist eine zunehmende Monofunktionalität, in den Gebäuden eine zunehmender Funktionsmix zu beobachten.  Der Gebäudekomplex reagiert auf die Monofuktionalität im Innenstadtbereichs mit einer hohen Polyfunktionalität (Wohnen; Community-Schienen mit Gemeinschaftseinrichtungen, Sento, Day-Care-Center für Ältere, etc.; öffentlich, externisierte Wohnbereiche, wie Cafes, Bars, Restaurants und Combinistores).

3-       wa & yo   Das Nebeneinander von eigenen (wa) und fremden (yo) Kultur ist in Tokyo allgegenwärtig.  Beide Elemente sollen in den Gebäudekomplex mit einfließen. 

4-       Japanische Raumelemente  Der japanische Wohnungsbau hat sich in den letzten 50 Jahren stark verwestlicht, wodurch erhaltenswerte und den japanischen Bedürfnissen entsprechende Raumvorstellungen verschüttet wurden. Für mein Thema sind das Minimalwohnen,  polyfunktionale Räume, der schrittweise Übergang von Innen nach Außen, u.a. von großer Bedeutung,  weshalb ich auf japanische Raumelemente zurückgreifen werde.

5-        Externisierte Wohnbereiche  In Tokyo werden Nischen,  die wie Mikrokosmen  in Makrostrukturen liegen,  als externisierte Wohnbereiche in der Stadt angeboten.  Durch die immer länger werdenden Anfahrtswege zu & von der Arbeit, spielt sich ein immer größer werdender Zeitraum in dem Gebiet  ab, in dem man arbeitet. Auch wenn man zu Hause ein Bad, ein Wohnzimmer oder eine Küche hat, es wird immer weniger in Anspruch genommen. Statt zu Hause,  trifft man sich mit Freunde in einer Privat-Karaoke-Bar, statt zu Hause zu Kochen, holt man sich Fertigmahlzeiten aus dem Combinistore um die Ecke, oder ißt mit Kollegen in der Innenstadt.  In meinem Entwurf werde ich auf diese Entwicklung eingehen und externisierte Wohnbereiche, sowie temporäres Wohnen anbieten.

6-       Dichte  Ich möchte eine Alternative zur herkömmlichen Bauweise Tokyos anbieten.  Der Gebäudekomlpex zeichnet sich durch eine hohe Dichte aus, die der Situation Tokyos gerecht wird.  Dieser besteht aus einem Unterbau, sowie einem Oberbau.  Beide beziehen die Stadt mit ein. Der Unterbau öffnet sich zur Stadt und wird zum Stadtraum (mein Ziel ist, das sich der Unterbau als Architektur größtmöglich auflöst und zum Stadtraum wird), der Oberbau besteht aus Wohnriegeln mit unterschiedlichen Schwerpunkten, die so angeordnet sind, dass sie einerseits zur Bahnlinie hin Dynamik ausdrücken, und auf der anderen Seite die Nachbarschaft nicht ausgrenzen und durchlässig erscheinen.

7-       Fragmentierung   Die fragmentierte Stadt fließt durch den Unterbau des Gebäudekomplexes durch, wodurch die Grenze zwischen Architektur und Stadt aufgelöst werden soll.

8-       Layering   Der Gebäudekomplex besteht aus verschiedenen Layern, die sich zum Teil überlagern, oder auch aufeinandertreffen und dadurch spezielle Raumqualitäten erzeugen.

 

Koizumi Jun’ichiro   derzeitiger Japanischer Premierminister

 

ma...(jp) 1) Raum, Zimmer; 2) Empfindung für eine kontinuierliche Raum-Zeit-Dimension, z.B. die natürliche Distanz zwischen 2 oder mehreren Dingen, die in einer Kontinuität existieren, oder ein Intervall zwischen 2 oder mehreren Phänomenen, die kontinuierlich auftreten. 

 

machiya   (jp) traditionelles, jap. Stadthaus bzw. Shop-Haus aus Holz (Shop u. Stadt haben im Japanischen das gleiche Zeichen), in dem der Ladenbesitzer (u. seine Familie) arbeitet u. wohnt.  machiyas sind immer Gebäude, die an der Straße stehen, wo Handel betrieben wird. Seit dem frühen Mittelalter.  Privatheit steigt stufenweise mit der Tiefe des Gebäudes.  Die Läden sind nur mit Noren oder Soji von der Straße und zum Wohnraum hin abgetrennt. Durch die vorstehenden Dachtraufen der Gebäude auf beiden Seiten der Straße, die ca 7m breit war, entstand ein geschützter Straßenraum, der fast die Hälfte des Straßenraumes in einer Höhe von ca 4m überdeckte.  Dieser tunnelartige Raum von 4x7m war in der Vergangenheit ein dynamischer Lebensraum, der das Leben auf der Straße -die Anblicke, die Geräusche u. Gerüche- noch steigerte.

 

Makro   groß;  Makrokosmus= Weltall, Gegenteil v. Mikrokosmus

 

Makrowelt   die nur auf Kommerz u. Unterhaltung ausgerichtete Shoppingwelt, die wie ein fließender Raum ineinander  übergeht.  Wird als Außenraum wahrgenommen,  auch wenn es sich um ein Kaufhaus handelt, da die Funktionen zwischen Shopping, Verkehr u. Öffentlichkeit verschwimmen.  Die Makrowelt ist identitätslos u. austauschbar.

 

Mega-Station   große Bahnhöfe in Tokyo, Japan; z.B. Shinjuku-Station, Shibuya-Station oder Ikebukuro-Station.  Die Mega-Station ist  -mit Ausnahme des Westteils der Tokyo-Station- kein monofunktionaler Gebäudetyp mehr, sondern verbindet immer stärker die Funktionen Verkehr + Öffentlichkeit + Shopping miteinander.  Dieses gipfelt -wie in Shibuya, wo eine Seibu-Bahn in das Seibu-Kaufhaus fährt- in dem totalen Verschmelzen der unterschiedlichen Bereiche, was zur Auflösung des Bahnhofes als eigene Gebäudetypologie führt.  Der Bahnhof wird zwar nicht vom Kaufhaus abgelöst, aber auf seine Essenz reduziert.  

 

Mega-Zentrum  Die Mega-Zentren Tokyos sind immer entlang des Bahnnetzes zu finden (welches den Bewegungsapparat der Großstadt darstellt) u. identisch mit einem Hauptverkehrsknotenpunkt.  Die Yamanote-Line stellt mit seinen über 4 Mio. Passagieren/Tag, die wichtigste Bahnlinie dar, in denen fast alle Mega-Zentren zusammenkommen.  Die Mega-Zentren mit ihren Mega-Bahnhöfen wirken durch das Funktionstrio „Verkehr-Shopping-Öffentlichkeit“ wie Stadtkatalysatoren und wenn man sich die Größe Tokyos u. die tägl. Tag-Nachtverschiebung der Bevölkerung vor Augen hält, erscheint es logisch, die Menschen am Besten dort zu Versorgen und zu Unterhalten, wo sie sich sowieso schon aufhalten.  Die Mega-Zentren haben immer einen ähnlichen schematischen Aufbau:  1) Extreme Verdichtung, 2) „Departmentstore-Entertaiment-Gastronomie-Mix“ d.h. Depatos, Shopping und Familienunterhaltung, 3) Unterhaltungsindustrie, wie Pachinko u. andere Spielhallen, Bars, Restaurants, Sex, Sport, etc, 4) Lovehotels (in gewisser Distanz zum Bahnhof und mit abnehmender Dichte).

 

Meiji   (jp) Erleutung,  Die meiji-Periode dauerte von 1867-1912 und stellte die Öffnung Japans zur westlichen Welt da, nachdem Commodore Matthew Perry 1853 in Japan landete und diese zur Öffnung zwang.  In der meiji-Zeit holte Japan -jahrhundertelang abgeschnitten von der restlichen Welt- mit der westlichen Welt auf und industrialisierte sich in einem rasanten Tempo. Seitdem wurden japanische Traditionen und westliche Kultur und Architektur miteinander vermischt.

 

Metabolismus   (gr.) Veränderung, Umwandlung; Als Metabolisten bezeichneten sich eine Gruppe junger Architekten u. Städteplaner, die sich anlässlich eines Design-Kongresses in Tokyo 1960 mit einer Ausstellung unter dem Titel „Metabolism“ vorstellte.  Zur gleichen Zeit erschien das Manifest “Metabolismus 1960“.  3 Grundgedanken bestimmten ihre Vorstellungen: 1) Die Gesellschaft ist einem dauernden Wandel unterworfen. 2) „Master Planing“ wird durch das angepasste „System Planing“ ersetzt. 3) Die zugrunde gelegten Systeme müssen zukünftiges Wachstum berücksichtigen. Zu der Gruppe gehörten u.a. Otaka, Kikutake, Kurokawa, Tange, Maki u. Isozaki.  Sie wollten kulturelle u. soziale Aspekte der Gesellschaft radikal reformieren.  Die Metabolismus-Bewegung begriff die Stadt als einen flexiblen Organismus, der wächst u. sich entwickelt. Sie wollten das Maschinen-Modell gegen flexible, organische Modelle eintauschen, bei denen die Idee der Veränderung die wichtigste Voraussetzung architektonischer Räume war.  Kurokawas Capsule Tower in Tokyo ist hierfür ein gebautes Beispiel. Es entstanden utopische Entwürfe für Megastrukturen.  Mit der Weltwirtschaftskrise begann sich ein neues Bewusstsein mit dem Umgang von Energieressorcen zu bilden, was sich auch auf die Architektur übertrug u. das Ende der Bewegung darstellte.

 

Mikro   klein;  Mikrokosmus= 1) die Welt d. Kleinstlebewesen, 2) die kleine Welt des Menschen als verkleinertes Abbild des Universums

 

Mikrowelt   In extremer Dichte der Mega-Zentren Tokyos entstehen kleine Nischen, die mit ihrer Introvertiertheit u. Privatheit einen Gegenpol zu der lauten, bunten u. schnellen Shoppingwelt (Makrowelt) bilden.  Mikrowelten zeichnen sich durch eine intimer Raumqualität aus u. umfassen inhaltlich Restaurants, Bars u. begrenzt  auch Shopping.  Hier gilt  alle Aufmerksamkeit dem Inneren u. nicht der (schreienden) Hülle. Die Mikrowelt kann auch als Innenraum u. die Makrowelt als Außenraum bezeichnet werden.   Die Mikrowelt hat eigene Identität u. Mikroklima, wogegen die Makrowelt einen Prototyp darstellt: identitätslos u. austauschbar.

 

minka   (jp) traditionelles, japanisches Haus der einfachen Familie bzw. Farmhaus in Holzbauweise gebaut; je nach Region u. Stand unterschiedl. Typen (z.B. chumon-Typ in schneereichen Gebieten).  Der „hiroma“-Plan (Standard-minka-Grundriß) bestand aus dem erhöhten allg. Wohnbereich (omoya): dem Familienraum, Gästeraum u. Schlafraum, sowie dem Arbeits- u. Kochbereich (doma). 

 

Monofunktionalität   Die Innenstadtbereiche Tokyos werden, bedingt durch die hohen Bodenpreise, immer monofunktionaler, d.h. Kommerz- u. Bürolandschaften.  Die Außenbereiche Tokyos werden hingegen zu sog. Schlafstädten.  Im Gegensatz  dazu  werden  die Großgebäude im Innenstadtbereich  immer polyfunktionaler (Funktionsmix).

 

Nagaya   (jp) kleines, meist einstöckiges Reihenhaus aus Holz, in denen der Großteil der einfachen Arbeiter in der mittelalterlichen Stadt wohnten.  Seit mindestens dem 12. –13. Jh. Heute kaum noch vorhanden.  Obwohl der Großteil der Stadtbevölkerung in nagayas wohnte, fielen diese Gebäudetypen nie sehr auf, da sie meistens hinter den machiyas standen und eine sehr hohe Dichte hatten und dadurch nicht viel Platz brauchten. Die einzelnen Wohnungen waren sehr klein, meist 3 x 4 Meter. 1/5 der Grundfläche war auf 0-Ebene (Eingang, Versorgung, Küche, etc.) und 15 % waren Abstellfläche, die restlichen 65% waren erhöhter Wohnraum. Nagayas existieren seit mindestens dem 12.- 13. Jh.  In Edo waren diese Reihenhäuser sehr verbreitet und standen entlang einer nur 1-2 Meter breiten Gasse, die meist in einer Sackgasse endete. In der Mitte der Gasse verlief ein kleiner -mit Steinplatten abgedeckter- Graben, welcher der Entwässerung diente. Die Gassen war halb-öffentlich (sowohl soto, als auch uchi), das heißt sie wurden durch die täglichen Aktivitäten wie Kochen und Waschen und durch das Aufstellen von Topfpflanzen und Mini-Miniaturgärten vor der Haustür zum erweiterten Wohnbereich der nagaya-Bewohner, Auch die Toiletten waren externisiert und wurden mit den anderen nagaya-Bewohnern geteilt. Dies änderte sich jedoch mit der Einführung von Gaskochern und individuellen Wasseranschlüssen in der Taisho-Periode. Zu dieser Zeit verlagerten sich die Aktivitäten in die einzelnen Häuser. Der Eingang der Gassen wurde früher oft mit einem Tor (torii) gekennzeichnet und auch häufig einen Wachposten, wie es auch bei –chos und machis üblich war. In der Meiji-Periode begann die Regierung mit dem Abriss der nagaya-Häuser, da diese nicht in das Bild einer modernen Stadt passten. Die Gassen der nagayas sind in vielen japanischen Städten, einschließlich Tokyo, noch zu erkennen und erinnern an die spezielle räumliche Qualität der nagayas.

 

New Wave-Bewegung   Japanische Architekturbewegung der 70er u. 80er Jahre.  Anstelle des Verlangens kulturelle u. soziale Aspekte der Gesellschaft radikal zu reformieren (Metabolismus-Bewegung), neigten die jungen japanischen Architekten der New Wave-Bewegung dazu, die Vielschichtigkeit u. Komplexität der Gesellschaft zu akzeptieren.  Die oft stark symbolische Qualität der Räume, die Neu-Interpretation von „oku“,  die räumlichen Überlagerungen („traditional space-layering), das Verpacken („packaging“), das Verfremden der Architektur, sowie der Umgang mit einfachen geometrischen Formen waren für diese  Bewegung bezeichnend. Den ersten Eindruck, den die New-Wave-Architektur macht, ist ihr stark verteidigender Charakter, bei dem sie sich vom Außenraum abwendet.  Es gibt (wenn überhaupt) wenig Kommunikation zwischen der inneren u. äußeren Welt.  Der Schwerpunkt  liegt in der inneren Welt, die einen hermetischen Mikrokosmus darstellt. Die heutige Architektur Japans entstand aus den Aktivitäten der hauptsächlich jungen Architekten (Ando, Aida, Fuji, Ito, Miyawaki, Maki...) der „New Wave“ Bewegung.

 

noren   (jp) Textilien u. Faltwände, die flexibel waren u. den Raum seit dem Mittelalter auf einfachste Weise aufteilten.  Während des Tages befinden sich noren oft vor dem Eingang der „ma & pa“-Läden u. Essställen u. werben für die Produkte, oder dienen als räuml. Trennung  zwischen Wohnen und Arbeiten in den machiyas. 

 

Öffentlichkeit   die Japaner hatten früher kein Begriff für „Öffentlichkeit“. Sie haben zwar den Begriff „öffentlich“ aus dem Englischen (public) ins Japanische „paburikku“ importiert, so wie sie auch Plätze nach westlicher Art importierten, was aber nicht so einfach umzusetzen war, da die Japaner diesbezüglich ein anderes Denken haben.  Öffentliche Plätze werden nicht angenommen, wenn keine Aktivität auf ihnen statt findet. „Uchi + soto“ sind die  japanischen Begriffe, die dem „öffentlich + privat“ am Nächsten kommt.

 

Öffentlich-externisierte Wohnbereiche   mit Freunden treffen, gegessen und getrunken wird meist im öffentlichem Raum, d.h. im Stadtraum.  Im Stadtraum verteilt sind unendlich viele Cafes, Kneipen, Restaurants, etc., die hierfür Nischen anbieten und die ich als öffentlich, externisierte Wohnbereiche bezeichne.

 

oku   (jp) das Innerste, am wenigsten Zugängliche, Tiefe und weit Zurückliegende.  Mit dem  Konzept von ma + oku  waren die Japaner immer in der Lage, ihre Räumen eine gewisse Tiefe u. mystische Qualität  zu verleihen.  Egal ob es sich um einen Garten, Architektur oder einen Stadtraum handelte.

 

omoya   (jp) allgemeiner Wohnbereich im minka oder machiya, etwas höher gelegen als der Arbeitsbereich (doma).

 

one-room-mansion   (engl.) kleine Apartments von 20 qm Wohngröße u. mit einer max. Deckenhöhe von 2.10m.  Sie beinhalten oft ein kleines vorfabriziertes Bad und eine kleine Küchenzeile.  Meistens in Betonmiethäusern in Stadtzentren Japans.  Die Bewohner sind meist Singles.  Bis in die 60er Jahren waren one-room-mansions oft nur 4 ½ Tatami-Zimmer ohne Bad, die z.T. von einer ganzen Familie bewohnt wurden.

 

Platz  (westl Def.) ein Gebiet, bei dem die räumliche Anordnung von Gebäuden spezifische Freiräume bilden.  Die Anordnung der Gebäude ist hier wichtiger, als die Aktivität, die darauf stattfindet.  (jap. Def.) Ein Gebiet, dass durch bestimmte menschliche Aktivitäten definiert wird. Die Plätze bewegen sich also mit den Aktivitäten mit, z.B. Religiöse Umzüge, Hanabi Festival, etc.  Früher waren die Brücken beliebte und hochfrequentierte Orte (Plätze), die heute von den Mega-Stations abgelöst wurden, wie z.B. die verkehrs-reiche Kreuzung vor Shibuya Station. 

 

Provisorium   in der japanischen Architektur gab es schon im Mittelalter (Kontinuierlichkeit des Provisoriums).  1) wurden die tatami-Matten früher dort hingelegt, wo man sie gerade brauchte z.B. wenn Gäste kamen, oder zum Schlafen.  2) Noren waren Trennwände aus Textilien oder unabhängige Faltwände, die innerhalb der Struktur des Hauses befestigt wurde.  3) das Gebäude, die Bauteile und die Einbaumöbel hatten alle Maße eines Modul-Systems, was sie außerordentlich flexibel machte. 4) Religion: .Ise-Schreine wurden traditionell immer wieder neu gebaut.

 

ramma...(jp) Holzgitter über den Innenschiebetüren (fusuma), meist verziert, sorgt für notwendige Luftzirkulation im Innenraum.

 

Raum  Heute gibt es in Japan, wie überall, viele verschiedene Definitionen von gebautem Raum.  Die traditionelle, japanische Raumauffassung  unterscheidet sich allerdings grundlegend von der  westl. Raumauffassung.  Der Raum im Westen hat  klar definierte Grenzen u. wird rational u. wissenschaftlich betrachtet u. behandelt  (nach den Gesetzen der Geometrie u. Perspektive).   In Japan hingegen wurde der Raum universell betrachtet u. war -im Zusammenhang mit der Shinto-Religion- verwurzelt mit der Natur u. wurde eher durch das Land (oder die Landschaft) repräsentiert als durch ein Gebäude.  Der Raum hat in der jap. Tradition eine symbolischen Charaker u. Bedeutung.  Die Architektur wurde als ein Teil der Natur betrachtet, wodurch ein anderes Raumempfinden entstand. „Das Entscheidene ist die Tatsache der Umschließung u. nicht der umschlossene Raum.“ (Noguchi).

 

Samurai   (jp) nachdem die Samurai-Klasse zur Macht kam (1180-1570), wurden Räume in denen Gäste empfangen wurden, sehr wichtig und die Regeln dafür wurden sehr komplex, z.B. wo wer sitzen darf, je nach Rang.  Zu dieser Zeit entstanden z.B. toko und tokonoma.

 

saraiman   (jp) Angestellter, Empfänger eines Gehaltes.  Als typischer Vertreter der neuen Mittelschicht mußte der saraiman in einem angemessenen (dem Stand entsprechendem) Haus wohnen und westliche Kleidung (u. zu Feierlichkeiten japanische K.) tragen.  Sie hatten soz. Verpflichtungen, wie Einladungen von Gästen nach Hause u. der Austausch von Geschenken mit dem Vorgesetzten.. 

 

Schnittstelle   die Schnittstelle zwischen Innen- und Außenraum ist ein Charakteristika in der Komposition von japanischen Wohnräumen.  Im Gegensatz zum Westen, wo die Grenze zwischen innen u. außen durch dicke Wände klar definiert wird, erfolgt in Japan der Übergang stufenweise.  Es wurden in der Vergangenheit Japans verschiedene Methoden entwickelt, die diese Schnittstelle regelten. 

 

Sento   (jp) öffentliches, japanisches Badehaus.  Bis zur Nachkriegszeit hatten die meisten Japaner kein eigenes Bad, sondern nutzten die lokalen Nachbarschaftsbäder.  Das sento ist mehr als ein Platz, um sich waschen: Es ist eine Art Nachbarschaftstreffpunkt, wo man jeden Abend zusammen kam und Neuigkeiten austauschte.  Es ist außerdem ein Ort der Entspannung, um die schnelle, laute Außenwelt zu vergessen.  Die traditionelle Einrichtung wird -obwohl privates Badezimmer vorhanden- auch von vielen jungen Japanern besucht und der Dusche vorgezogen. Die Anzahl der Sentos nimmt durch die hohen Bodenpreise und die Verdrängung von Wohnraum im Innenstadtbereich der 23 Bezirke Tokyos stark ab. 

 

shaku   (jp) Jap. Maßeinheit,  1 shaku= 303mm 

 

Shibuya-Station   Mega-Bahnhof (mit 2,9 Mio. Fahrgästen tägl.), der an der Yamanote-Bahnlinie liegt. Komplexer Knoten aus diversen Bahn- und Straßenräumen, die sich in verschiedenen Ebenen kreuzen.  Im Gegensatz zur Vertikalschichtung in Shinjuku, ist Shibuya-Station ein 3-dimensionaler Verkehrsknotenpunkt.  Da die nachgereichten Funktionen nicht über einer flachen Transportebene ausgebreitet werden konnten (wie bei Shinjuku-Station), mussten sie den Knoten einhüllen, um eine vergleichbare Kontaktqualität zu erreichen.  Shibuya-Station besteht aus 3 Zonen:  dem Stationskern, der mit Kommerz durchmischt ist und wo die Passagiere aus den Zügen steigen. Dann gibt es die Übergangszone, in denen alle Passagiere zusammen kommen und verteilt werden und in dem es kein Kommerz gibt, da die Besucherdichte zu hoch ist.  Wenn die Besucher auf ein zu verarbeitbarem Maß verteilt wurden, beginnt die dritte Zone, die wieder ein Funktionsmix ist.

 

Shinjuku   (jp) shin = new, ju = post, ku = town.  Ein Jahr nach der Tokugawa-Regierung (Shogun) in Edo, begann die Gründung von 5 Highways, die alle Nihonbashi als Ausgangspunkt hatten. Da die erste Zwischenstation der Koshu-Kaido-Highway zu lang war (Takaido), wurde eine zusätzliche Station gegründet.  „Naito-Shinjuku“ (der Besitzer Naito spendete das Land der Shogun-Regierung) wurde eine von 4 Haupt-Zwischen-Stationen in Edo.  1947 wurden die Bezirke Yotsuya, Ushigome und Yodobashi zum Bezirk Shinjuku-ku vereint. Der Name wurde nicht nur aus historischen Gründen gewählt, sondern auch wegen der nationalen Bedeutung von Shinjuku-Station und Shinjuku-Garten.  Das Viertel Kabuki-cho war schon in den 20er und 30er Jahren ein Nacht- und Entertainment-Viertel.  In den 60ern wurde Shinjuku der Bezirk für Untergrundorganisationen, Rebellen und den Schwarzmarkt.  Das Bild änderte sich mit dem beginnenden Bauboom in den 70er Jahren und 10 Jahre später entstanden die ersten Hochhäuser über 200 Meter Höhe westlich des Bahnhofs.  Der Bezirk hat sich inzwischen zum wichtigsten Sub-Zenter entwickelt: das Rathaus von Tokyo befindet sich im westlichen Business-District von Shinjuku, der Bahnhof ist mit 3,6 Passagieren der Größte des Landes und der Bezirk ist mit seinen unzähligen Läden, Kaufhäusern, Restaurants und Cafes zum größten kommerziellen Gebiet des Landes geworden.  Der enorme Anstieg der Bodenpreise hatte und hat die Verdrängung von Wohnraum zur Folge. Vor 30 Jahren wohnten fast doppelt so viele Menschen in Shinjuku-ku, wie heute. Hierbei ist jedoch keine Abnahme der Haushalte, sondern eine Verschiebung der Haushaltsgrößen zu beobachten: Familien ziehen weg und Alleinstehende ziehen zu. Bei derzeit 248.000 Einwohnern beträgt die Einwohnerdichte in Shinjuku 15.834 Einw./qkm (Stand: 2000).

 

Shinjuku-Station   Mega-Bahnhof (mit 3,6 Mio. Fahrgästen tägl. größte Bahnhof Tokyos), der an der Yamanote-Bahnlinie liegt. Umgeben von depatos und Hunderten von Geschäften, sowie Bürogebäuden.  Shinjuku bildete sich seit den 60er Jahren zum wichtigsten Sub-Zenter Tokyos aus. Shinjuku-Station ist als Doppelschichtung organisiert: Transportlevel ist im Untergeschoß und die Stadt liegt darüber. Verbunden sind diese beiden Ebenen mit vertikalen Verbindungen, wie Rolltreppen, Treppen u. Fahrstühlen. 

 

Shitamachi   (jp) Edo (Tokyo vor 1868) bestand aus zwei sehr unterschiedl. Stadtgebieten: Shitamachi u. Yamanote.  Shitamachi (‘niedrige Stadt‘) ist das Flachland an der Bucht von Tokyo, wo die normale Bevölkerung u. die Händler wohnten.  Shitamachi umfasste 16 % der Fläche von Edo u. hatte mit 69.000 Menschen pro km2 eine sehr hohe Bevölkerungsdichte u. ist bis heute am orthogonalen Straßenraster zu erkennen.

 

shoji   (jp) leichte Schiebetürelemente, mit Papier einseitig beklebt und lichtdurchlässig.

 

Shopping   (engl.) Einkaufen. Bei japanischen Frauen steht Shopping auf Platz 1 der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen.  Kollektives Lebensgefühl in Japan, Normalzustand, Grundfunktion.  Alles ist in den Mega-Zentren auf Shopping ausgerichtet.  Reklame in Form von Licht, Farbe, Schilder, Sound, etc. bilden einen eigenen Layer, der sich zwischen Besucher u. Architektur stellt, und die Architektur oft für überflüssig erklärt.  Der Stadtraum fließt ungehindert in Kaufhäuser u. Einkaufspassagen hinein und verbindet den gesamten Shoppingbereich,  wodurch die Definition von Außen u. Innen verschwimmt.

 

soto   (jp) alles außerhalb von uchi ist soto, außen, Außenbereich. Siehe „uchi + soto“.

 

Tag-Nacht Bevölkerung   in Tokyo findet täglich die größte Völkerwanderung der Welt statt: Morgens fahren mehrere Mio. Menschen aus dem Großraum Tokyo in die Innenstadt zur Arbeit u. abends zurück.  Diese Bevölkerungsschwankung sagt mehr über Tokyo, seine Dynamik u. Einwohnerzahl aus, als die statistisch festgelegten Einwohnerzahl.  70 % aller Bew. Tokyos fahren länger als 1 Stunde tägl. zur Arbeit.  Die Mehrzahl kommt mit der Bahn, bei der die JR Line „Yamanote“ eine wichtige Verteiler-Rolle übernimmt. Durch diese tägl. Verschiebung aus u. in den Großraum entstehen 2 unterschiedl. Bevölkerungszahlen im Innenstadtbereich: die des Tages u. die der Nacht.  Während des Tages entwickelt sich der Innenstadtbereich Tokyos zum Bereich der engsten Dichte, während sich dies in der Nacht entspannt.  Die Tatsache der kontinuierlichen Verdrängung von Wohnraum im Innenstadtbereich, wegen der hohen Bodenpreise u. den damit verbundenen hohen Mieten, unterstützt die Entmischung des Innenstadtbereichs u. die damit verbundene verstärkte  Entwicklung monofunktionaler Gebiete.

 

Tokyo-to:                  

Tagbevölkerung                     16.0 Mio.

Nachtbevölkerung                  12.1 Mio.

 

Innerhalb Tokyo-to:

 

Chiyoda-ku:

Tagbevölkerung                       1.036.609                                                        

Nachtbevölkerung                         39.305

 

Chuo-ku:

Tagbevölkerung                          748.288                                                         

Nachtbevölkerung                         67.621    

 

Minato-ku:

Tagbevölkerung                          883.952

Nachtbevölkerung                       156.325  

 

Shinjuku-ku:

Tagbevölkerung                          817.095                                                        

Nachtbevölkerung                       291.152

 

Shibuya-ku: 

Tagbevölkerung                          547.216                                                        

Nachtbevölkerung                       201.562

 

tatami   (jp) Reisstrohmatten von ca. 6 Shaku x 3 Shaku (90x180cm), die es schon vor über 1000 Jahren in Japan gab, sich aber erst im 15.Jh. als Bodenbelag durchsetzten und bis in die Nachkriegszeit fast jeder Wohnung als Bodenbelag diente.  Heute immer seltener als Bodenbelag anzutreffen, da die Regierung ab den 20er Jahren die westl. Lebensweise als Grundbedingung modernen Wohnens ansah u. in dem Zuge Tatami-Matten als unhygienisch,  unökonomisch u. ineffizient galten.  Reformarchitekt Toshikata: “Das Heim als Ort der Entspannung zu begreifen ist gut, aber es ist kein Ort, an dem Körper u. Geist verderben sollen.  Deshalb ist der Gedanke, ob man sich überall einfach zusammenrollen u. schlafen kann, nicht erstrebenswert.“  Tatamis liegen meist mit zwei kurzen Enden zu einer langen Seite und bilden so eine Spiral-Form, die das Auge im Raum ruhen lässt, anstatt den Blick anhand von Linien zu einem bestimmten Punkt zu lenken.  Die Größe der Wohnung wird noch heute nach der Zahl der Tatami-Matten gemessen, die theoretisch in den Raum passen würden, auch wenn der Raum im westlichen Stil mit Teppichboden oder Parkett eingerichtet ist.

 

tempura   (jp) beliebtes japanisches Essen, das ursprünglich aus Portugal (16 Jh.) stammte und von den Japanern seitdem perfektioniert wurde. Fisch-, Muschel-, oder Gemüsestückchen werden in leichtem, luftigemTeig frittiert.   „Der Koch (der überhaupt nichts kocht) nimmt einen lebenden Aal, sticht ihm eine lange Nadel in den Kopf und häutet ihn.  Diese kurze, nasse, von einer kleinen Grausamkeit erfüllte Szene endet in einem Spitzenwerk.  Der Aal (das Stückchen Gemüse oder Schalentier), der in der Pfanne kristallisiert wie ein Salzburger Kreppel, reduziert sich auf einen kleinen Block Leere, auf eine Ansammlung von Licht: Die Speise findet hier mit dem Traum eines Paradoxes zusammen: dem eines Gegenstandes, der reiner Zwischenraum ist und der um so provokativer wirkt, als diese Leere eigens dazu hergestellt ist, damit man sich von ihr ernährt. Die Tempura ist frei von jener Bedeutung, die wir gewöhnlich dem Gebratenen beilegen: der Schwere. Das Mehl findet hier zu seinem Wesen, der verstreuten Blume, zurück; es ist so fein verteilt, dass es wie Milch wirkt und nicht länger als Brei erscheint. Vom Öl ergriffen, ist diese goldene Milch von so geringer Dichte, dass sie die Speisestückchen nur unvollkommen über-zieht und das Rosa einer Garnele, das Grün der Pefferschote oder das Braun der Aubergine duchscheinen lässt. So nimmt man dem Gebratenen, was für unser Pfannengebackenes charakteristisch ist: die Kruste, die Hülle, die Festigkeit.  Manchmal besteht ein Tempura-Stück aus mehreren Etagen: Der Backkranz umgibt eine Pfefferschote, die ihrerseits mit Muschelfleisch gefüllt ist.  Wesentlich ist, das die Speisen aus Stücken, aus Fragmenten besteht, und zwar nicht allein aufgrund ihrer Vorbereitung, sondern auch vor allem, weil sie in einen Stoff eingetaucht werden, der so flüssig wie Wasser und so kohäsiv wie Fett ist und aus dem ein fertiges, gesondertes, und dennoch überhaupt nicht kompaktes Stück hervortaucht; doch die Umhüllung ist so leicht, dass sie schon abstrakt wirkt: die Speise hat zur Hülle allein die Zeit, die ihr die Festigkeit verleiht. Sie ist die Speise einer anderen Zeit: einer Meditation über jenes etwas, das wir mangels besserer Möglichkeiten auf seiten des Leichten, Luftigen, Augenblickbezogenen, des Zerbrechlichen, des Frischen und des Nichts ansiedeln, dessen wahrer Name jedoch der Zwischenraum ohne klare Grenzen oder auch das leere Zeichen wäre.“  ( Barthes „Das Reich der Zeichen“)

 

toko   (jp) Bildnische

 

tokonoma   (jp) Wandnische, in die Schmuckobjekte, wie z.B. ein Rollbild oder ‚ikebana‘ gestellt bzw. gehängt wird.  Der Sitzplatz, der der tokonoma am Nächsten liegt, ist traditionellerweise für den ranghöchsten Gast, bzw. Familienoberhaupt als Ehrenplatz reserviert. 

 

Tokyo   (jp) Hauptstadt Japans auf der Insel Hondo, an der Bucht von Tokyo gelegen.  Nach Erdbeben 1923 u. 2.Weltkrieg totale Zerstörung. Wurde danach in moderner (westlicher) Bauweise wieder aufgebaut. Im Westen liegt die Oberstadt „Yamanote“ u. im Osten die Unterstadt „Shitamachi“. Das Herz der Stadt bildet der von Wall u. Graben umschlossene 2 qkm große kaiserliche Palastbezirk. Es ist schwierig, Tokyo als Stadt bzw. seine Grenzen klar zu definieren. Es gibt verschiedene Größen-Definitionen: 1) „23 Bezirke v. Tokyo“ (8 Mio. Einw.); 2) “Tokyo-To” (12 Mio. Einw.); 3) Großraum Tokyo oder „Metropolitan Area“ (33 Mio. Einw.); Großraum mit Gunma, Yamanashi, Ibaraki, Tochigi „National Capital Region“ (44 Mio. Einw.).  Es scheint, als wachse parallel mit dem Stadtgebiet auch dessen Bezeichnungen.  Die Regierung versuchte aus diesem Grunde wenigstens eine statistische Definition zu finden, damit sich die Stadt irgendwie –u. wenn auch nur auf dem Papier- eingrenzen lässt, und legte fest, das alles über 4000 Einw./qkm Stadt ist.  Zum Vergleich: Berlin hat eine Dichte von 3799 Einw./qkm, würde also unter dieser Definition noch nicht als Stadt gelten. In den 23 Bezirken von Tokyo dagegen beträgt die Dichte 13.084 Einw./qkm.  Doch hört Tokyo nicht bei dieser Definition der Dichte auf; es ist eine Agglomeration, die aus ihrem Umfeld kontinuierlich herauswächst, wodurch zwar Übergänge von wesentlich geringerer Dichte entstehen, aber keine Grenzen.  Selbst die Küstenregion, die eigentlich (sollte man meinen...) eine klare Grenze darstellt (=topographische Grenze), wird unscharf u. ist durch die enorme Landgewinnung in der Bucht von Tokyo ständig  in Bewegung.  Aber nicht nur der Großraum Tokyos u. die damit verbundene Bewohnerzahl wächst, sondern auch die Einwohnerzahl in den 23 Bezirken Tokyos (+2.5% v. 2000-2001). 

 

tsubo   (jp) Jap. Maßeinheit,  1 tsubo= 2 Tatami-Matten (3,3 qm)

 

Überlagerung   Mehrschichtigkeit, Layering;  1)Funktionsüberlagerungen:  Unter dem Druck der hohen Bodenpreise im Innenstadtbereich Tokyos u. dem daraus resultierendem Zwang, zur optimalen Raumausnutzung, entstehen Überlagerungen verschiedenster Funktionen in einem Gebäude, z.B Kaufhaus-Kino-Museum-Tempel-Biergarten, TaxiFirma-Parkhaus-Spielhalle-Golfabschlagplatz,  Combini-Sento-Sauna-Waschsalon-Wohnung, oder einem öffentl. Park über einem ebenerdigen Parkdeck für PKWs, verbunden mit der Yamanote u. Saiko-Bahntrasse.  Je dichter die Stadt, desto stärker überlagern sich verschiedene Funktionen in einem Gebäude.  2) Infrastruktur: Auch die Infrastruktur ist in Tokyo mehrschichtig aufgebaut. Die Anbindung (oder Nicht-Anbindung) der verschiedenen Verkehrsmittel geschieht bewusst.  Das Ergebnis der Auswahl manifestiert sich an der räuml. Einbindung des jeweiligen Bereichs. Z.B. stellen die aufgestelzten Schnellstrassen einen Bewegungsraum dar,  der an den Mega-Zentren nur vorbeiläuft, bzw. über die Mega-Zentren hinwegsaust.  Sie haben keinerlei Verbindung zu den Mega-Zentren, da sie der long-distance-Verteilung dienen sollen. Auch der ebenerdige Straßenraum, der mit den Mega-Zentren zwar in Kontakt tritt u. eine Verbindung herstellt, spielt in der Zubringer-Funktion eine zweitrangige Rolle, da es  sich hier hauptsächlich um Durchgangsverkehr handelt u. der Individualverkehr in Tokyo als irrelevant eingestuft werden kann (z.B wegen fehlender Parkplätze).  Die Bahn ist ganz offensichtlich  „das“ Verkehrsmittel in die Mega-Zentren. Das Beförderungspotential ist riesig u. sie bewegt sich auf zwei verschiedenen Ebenen, d.h. „layern“: die „local trains“, die an jeder Station u. selbstverständlich auch in den Mega-Zentren halten, sowie die „rapid train“, die nur in Mega-Zentren hält.  Ein weitere Verkehrs-Ebene gibt es, die der Fußgänger. Diese befindet sich in den extrem verdichteten Gebieten rund um die Mega-Stations vermehrt entweder unterirdisch (km-lange Shopping-Passagen), oder als „sky walk“ in der Luft. Zeitlich begrenzt (Sonntags) werden den Fußgänger jedoch die Hauptstrassen der Shopping-Bezirken zur Verfügung gestellt, welches die zweitrangige Position des ebenerdigen Straßenraumes unterstreicht.   3) extrem dichter Stadtraum: hier wird die Schichtung, die vorhanden ist (u. mit Fahrstühlen miteinander verbunden ist), bewusst ausgeschaltet, bzw. nicht gezeigt.  Im Stadtraum dominiert die Horizontale (durch niedrige Raumhöhen u. der Ausblendung der Überlagerungen).  Man sieht nicht, was über oder unter einem passiert u. soll sich ganz auf den eigenen Bereich konzentrieren.

 

uchi   (jp) innerhalb = auf Familie, bzw. Gruppe bezogen, innen, Innenbereich

 

uchi + soto  (jp) meint das Innere (Familie) und das Äußere (außerhalb Familie) und ist von großer soziologischer und psychologischer Bedeutung.  Wenn man uchi +soto in Raum umzusetzen versucht, und es im westlichen Sinne interpretiert, dann ist alles, was außerhalb des privaten Wohnbereichs ist soto, und Alles im privaten Wohnbereich wäre uchi.  Wogegen die eigene Nachbarschaft auch „uchi“ ist, gegenüber dem Rest der Stdt (soto). Das heißt, die Straße kann außerhalb des Plots (soto), aber innerhalb einer Nachbarschaft (uchi) sein.  Aus diesem Grund haben die Japaner für ihre Nachbarschaften ein großes Verantwortungsbewusstsein und erweitern ihren Privatraum zur Straße hin mit Blumtöpfen, Bilder und Miniaturgärten.

 

wa   (jp) traditonelle, japanische Kultur.  Die japanische Gesellschaft hat zwei Gesichter: wa + yo.  Das Erste (wa) ist die traditonelle Kultur u. das Zweite (yo) ist die fremde Kultur, die heute aus dem Westen kommt.  ‘wa + yo‘ werden im japanischen Alltag, in der Kleidung, im Essen u. in den Wohnungen kombiniert u. vereinigt.  wa + yo‘ sind eines der Gründe für Tokyos Flexibilität und Vielschichtigkeit, da die Stadt nicht auf bestimmte Werte fixiert ist.

 

Wohlfahrtsgesellschaft japanischen Stils   (Nihon-gata fukushi shakai) das bis in die 80er Jahre propagandierte Ideal, das ein besonderes Verantwortungsbewusstsein der Jüngeren für die Älteren postulierte.  Durch die Verschiebungen der Lebenssituationen entspricht dieses Ideal immer weniger der Realität.  Das jap. Sozialsystem wird in Zukunft stärker von der Annahme ausgehen müssen, das die Kinder ihre Eltern im Alter nicht mehr grundsätzlich im eigenen Haushalt pflegen (Einführung der Pflegeversicherung 4/2000).

 

yama   (jp) Berg, Gebirge; Fast 80% der Fläche Japans ist hügelig bzw. Gebirge u. alte Städte fangen in Japan oft mit yama an, wie Yamato u. Yamashiro.  yama bedeutet im Raum Tokyo auch Wald, Bäume, Holz.  D.h. „Yamanote“ in Tokyo deutet hier weniger auf ein Gebirge hin, als auf die (frühere) Präsenz von Bäumen. 

 

Yamanote   (jp) Edo (Tokyo vor 1868) bestand aus zwei sehr unterschiedl. Stadtgebieten: Shitamachi u. Yamanote.  Yamanote (‘hohe Stadt‘), etwas höher und auf der westl. Seite von Edo gelegen, wurde von der Samurai-Klasse bewohnt.  In Yamanote, das 69 % der Gesamtfläche von Edo einnahm, gab es eine Dichte von 14.000 Menschen pro km2 u. (bedingt durch die natürliche Topographie Edos) eine organische Strassenführung.  Shitamachi (‘niedrige Stadt‘) ist das Flachland an der Bucht von Tokyo, wo die normale Bevölkerung u. Händler wohnten.

 

yo   (jp) 1) fremde Kultur, die früher aus China, heute aus dem Westen kommt.  Die japanische Gesellschaft hat zwei Gesichter: wa + yo.  Das Erste (wa) ist die traditonelle u. das Andere (yo) ist die fremde Kultur.  ‘wa + yo‘ werden im japanischen Alltag, in der Kleidung, im Essen u. in den Wohnungen kombiniert u. vereinigt.  wa + yo‘ sind eines der Gründe für Tokyos Flexibilität und Vielschichtigkeit, da die Stadt nicht auf bestimmte Werte fixiert ist.  2) yang-Element:  Männlich, positiv, Himmel, Sonne, Bewegung, Tag, Höhe (Gegenteil v. yin / in)

 

yojohan   (jp) 4 ½ Tatami-Zimmer.  Standardeinheit für Wohnraum in Japan und ein konstantes Element in der japanischen Tradition.  Das yojohan zeichnet sich durch seine vielfältigen Variationsmöglichkeiten aus.  Es kann der Ort für eine Teezeremonie, ein Esszimmer, Wohnzimmer, Schlafzimmer, oder alles in Einem sein.  4 ½ Tatami-Räume werden als minimaler Wohnraum begriffen.

 

Zwischenraum   Schnittstelle zwischen  Innen u. Außenraum, die in Japan stufenweise erfolgt.  „Die Beziehung architektonischer Körper untereinander bleibt als Eindruck oft unbestimmt und findet nicht als Form, sondern als Anordnung oder Überlagerung statt. (...) Überrascht hat mich die Entdeckung von ‘Zwischenraum‘ und es ging mir damit wie mit einem Vixierbild: Wenn die versteckte Figur einmal gefunden ist, bleibt sie bestimmend.  Zwischenraum ist die ephemere Konstante japanischer Architektur und vielleicht der gesamten Ästhetik Japans:  ob als Terrassen, die zum Garten überleiten, ob als Bereiche zwischen Wänden, als transitorische Formen der Wege und Schwellen.   Wie in Japans Sprache mißfällt Unmittelbarkeit auch in der Architektur dem Gefühl, und Funktionen oder Fakten stoßen nie unvermittelt aufeinander:  Zwischenräume verbinden, formlos, ohne Funktion und voll von Möglichkeiten.  Sie sind erlebbare Übergänge. (...)  Die Wohnhäuser der jüngsten Generation japanischer Architekten sind purer Zwischenraum.“  (Rössler  „Minihäuser Japan“)

 

2DK-Grundriß   Seit den 50er Jahren in Japan häufig im Wohnungsbau (danchii) verwendeter Grundrißtyp, der von der Wohnungsbaugesellschaft entwickelt wurde.  Rationaler u. funktionaler Grundriß , der den Wohnraum von 40qm optimal ausnutzt.  Nach wenigen Jahren ist er zum Standard-Grundriß v. fast des gesamten japanischen Wohnungsbaus geworden, der sich seitdem mit zunehmender Größe der Wohnungen auf das bis heute übliche „nLDK“ erweiterte, wobei „n“ für die jeweilige Anzahl der Wohnräume, „L“ für living room und „DK“ für dining-kitchen steht.